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cip entwickeln, und so aus der tiefften Tiefe aufgreifen würde. Niemann hat diefes lebendig gefühlt und Butte deutlich gedacht. Diefer Unterschied beider Werke — ein allgemeines Merkmal ihrer Verdienste berechtigt uns, der Literatur zu dieser Erscheinung Glück zu wünschen, und wir werden deswegen in der Anzeige so vollständig feyn, als wir es nur immer feyn können, um keine neue Idee und Anficht zu verlieren.

Der Verfaffer von No. 1. erregt schon dadurch für fich ein günstiges Urtheil, dass er, wie er in der Vorrede sagt, entfernt von der fogenannten Politik bei feinen langjährigen Vorträgen über practische Theile der Staatslehre, der Policei, der Staatswirthschaft, der Kameral - und Gewerbskunde, den bürgerlichen Gefichtspunct nie aus den Augen liefs. Dadurch erhob er fich zu jener Sphäre, wo ihm die nothwendigen Bedingungen des rechtlichen Zufammenlebens, des öffentlichen Auskommens und des Privatwohlftandes als Mafsftab zur Beurtheilung dienten, in wiefern namhafte Staaten diesen Foderungen entsprächen oder nicht, und wiefern fie also in ihrer Verwaltung und Regierung als Beispiele zur Befolgung oder Warnung dienen könnten. Bei den ftatistischen Vorträgen, die der Verfasser später neben jenen hielt, beschränkte er sich auf die Kunde feiner Heimath, und wenn es ihm vorzüg÷ lich um genaue Kenntnifs des Factifchen und des Wirklichen hierbei zu thun war, um feine Zöglinge diensttüchtiger in das bürgerliche Leben überzuführen, so bemühte er fich anderfeits, an die unwandelbaren Bedingungen des Rechts und der Ordnung zu erinnern, und dieses durch Beispiele aus der Aufsenwelt mehr und mehr zu vervollständigen, um fie vor aller Befchränktheit zu be wahren.

So entstanden diefe Abriffe, einer als Vorbereitung zu seinen statistischen Vorträgen, der andere als Skizze zu einer vergleichenden Staatenkunde und zur Umficht in der Aufsenwelt, verbunden mit der Vaterlandskunde. Aus dem Vortrage der einheimischen Kunde follte das Schimpfliche der Unbekanntschaft mit dem Va

terlande und die Unentbehrlichkeit gründlicher Landesund Staatskenntnisse zu dessen Dienst überzeugend einleuchten, aus der vergleichenden Staatskunde aber das ausgehoben werden, was dein Menschen von seinem Gefchlechte willenswerth seyn muss, und welche Thatfachen als Beispiele ihm zur Warnung oder Nachahmung dienen können. Diesem Gange gemäss musste der Verfasser auf den Unterschied der Staatskunde und Statistik, diè bis auf ihn für gleichbedeutend genommen waren, geleitet wer

den.

Die Grundlage der Staatenkunde find ihm Facta, ihre Darstellung factisch, und die Kunde von irgend einem Staate der Inbegriff der zur kenntlichen Darstellung feines wirklichen Zuftandes brauchbaren, zweckmässig benutzten Thatfachen. Zu der Brauchbarkeit fodert er Angemeffenheit, Zuverläfligkeit, Gleichzeitigkeit ihrer Gesammtheit und Vollständigkeit ihres Inbegriffs; zur zweckmässigen Benutzung richtige Auswahl, richtiges Auffaffen von der interessanten (realen) Seite, richtige Vertheilung in Hauptfächer, richtige Stellung und Verbindung der Thatsachen in jedem der einzelnen Fächer; und planmälsige Ordnung. Die Nothwendigkeit branchbare Thatfachen auszuheben, und fie zweckmässig zu benutzen, macht die Staatenkunde zu einem Lehrgegenftande, und Kenntnifs der Regeln, wie der Stoff aus dem einzig richtigen Gefichtspuncte für die Darstellung eines Staats gefammelt, wie er zu dem höhern Zwecke benutzt werden foll, nennt er Statistik. Die Statistik ift also das, was Schlözer Theorie derfelben, und was der Verfaffer Theorie der Staatenkunde nennt. Doch unterscheidet er zwischen einem theoretischen und practischen Theile, wovon er jenen der Würdigung des Stoffs zu feinem Zwecke, diefen der Anwendung der Regeln auf die Kunde von dem wirklichen Zuftande eines Staats beftimmt,

Um die erfte Anficht der Statistik (ihre Quelle) genau auszumitteln, legt der Verfasser den Begriff der Erdkunde als Kenntnifs von dem Zuftande der Länder und ihrer Bewohner zum Grunde, und giebt ihr nach den drei Hauptgefichtspuncten, aus welchen man die Nach

richten darüber sammelt, (wie diefes auch im Allg. Repertorium der Literatur gefchehen ift,) die Länderkunde, die Völkerkunde und die Staatskunde zu Kindern eines gemeinfchaftlichen Stammbaums. So wie in der Länderkunde nur von der Gröfse und natürlichen Befchaffenheit eines Landes, in der Völkerkunde von ihren Bewohnern als Menfchen, fo foll in der Staatskunde nur von der Staats verbindung ihrer Bewohner nach ihrem wirklichen Zustande die Rede feyn; und die Gegenstände derfelben entweder die Gewalt und Ordnung, die fie zusammenhält, d. h. den Staat im eigentlichten Sinne (woher eigentliche Staatenkunde mit ihren Theilen, der Verfaffungskunde und Regierungskunde). oder die unter demselben vereinigte Gesellschaft betreffcn; diefe letztere Kunde nennt er die Nationalkunde, die wieder in Wirthschaftskunde, und Bildungs- oder Sittenkunde zerfällt.

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Da die Verfassung und Regierung nur Mittel für die Nation find, die Darstellung der Staatenkunde aber vorzüglich auf die Zweckmässigkeit diefer Mittel gerichtet ift: so nimmt er fie auch als eine Beschreibung der Mittel an, die auf Erreichung der zwei Hauptzwecke des erften, oder negativen, auch absoluten (Sicherheitszweck) und des andern oder pofitiven (des gemein Besten) — streben; den ersten foll die Regierung erfüllen, den zweiten will fie erreichen. Es giebt zwei Wege, die Wirkfamkeit diefer Mittel zu erkennen; einer durch Vergleichung mit frühern Erfahrungen und mit den gleichzeitigen in andern Staaten aus ihrer innern Befchaffenheit; der zweite und sicherste aus ihrem Erfolge; die Darstellung des letztern, wie er fich in dem wirklichen Zuftande der Nation und ihrem Verhalten zu erkennen giebt, eignet er vorzüglich der Nationalkunde zu. Nach diefer Vorausfetzung zergliedert er die Statistik als theoretische Vorbereitung in acht Abschnitte, theilt dann Fragmente zur Gefchichte der Staatenkunde und einen Abrifs der Staatenkunde mit. Hier die Hauptideen von dem Abriffe der Statistik und der Staatenkunde.

1. Abschnitt. Gefichtspunct, Aufgabe der Staatenkunde; Beftandtheile; Staatsmerkwürdigkeiten. Der Gefichtspunct der Staatenkunde ift die Bestimmung des Staats als eine gesellschaftliche Verbindung unter gesetzmäfsiger Gewalt und Ordnung zur Sicherheit und zur Erreichung gemeinschaftlicher Vortheile; die Aufgabe hingegen die Beantwortung der von jedem Staat gemachten Fragen: welches find die Eigenschaften jedes Staats in Rücklicht diefes Zweckes? Wie und durch welche Mittel will er denfelben erreichen? Wie werden diese Mittel angewandt, und wie ift ihr Erfolg? Alles, was zu ihrer Beantwortung dienen kann, ist statistischer Stoff und verdient den Namen einer Staatsmerkwürdigkeit.

Die Statistik betrachtet den Staat aus einem zweifachen Gefichtspuncte: 1) aus einem politifchen als einen Staatskörper nach dem Zustande feiner Gesammtheit a) nach dem Staatsgebiete in feinen mannichfaltigen Eigenschaften und Beziehungen; b), nach der Form, die ihn zu einem politischen Ganzen verbindet; c) nach feiner innern Ordnung und Regierung, deren Örganisation und Wirksamkeit; d) nach feinem Verhältnisse zu andern Staatskörpern in völkerrechtlicher und conventioneller (pofitiver) Beziehung; 2) aus einem bürgerlichen Gefichtspuncte, als die Verbindung einzelner zu einem Gemeinwesen, nach dem Zustande der Individuen, die deffen Glieder find. Hier ist das Moment doppelt A) die bürgerliche Regierungskunde oder der Verein der Individuen nach feiner Ordnung und Regierung zu deren innern Sicherheit und Wohlfahrt, wobei es zunächft auf die Mittel für den absoluten Zweck, Sicherheit im Innern, mithin auf Gerechtigkeit als die Wurzel von dem Baume des Bürgerwohls, oder auf das Richteramt und die Policei - Gewalt, als auch auf die Mittel für den po fitiven Zweck, Wohlfeyn, und die Staatswirthschaft ankommt. B) die bürgerliche Nationalkunde, die die Nation in ihrem eigenen felbftthätigen Leben und Wirken darstellt, und entweder auf ihre Gewerbfamkeit und Ver, mögenheit, als Nationalwirthschaft oder auf ihre Sitten und Cultur als Nationalbildung Rücklicht nimmt.

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Der

Verfaffer lässt es unentschieden: oh das Syftem der öffentlichen Tutel, wie er recht gut die ausfchliessende Behandlung aller Angelegenheiten, als Regierungsfachen, oder das Syftem der Emancipation oder Majorennität, wie er die Mitwirkung und Mitberathung der Nation bei diefen Angelegenheiten nennt, das vorzüglichere fey, und welche Wirkung diese Systeme haben; allein dennoch fodert er, man mag fich für eines oder das andere erklären, die Prüfung und Erwägung aller Thatfachen, die auf die Regierungsmittel, Gefetze und öffentliche Einrichtungen, und die gefellschaftlichen Stiftungen und Vereinbarungen Beziehung haben.

11. Abschnitt. Lehrgebiet, Gränzberichtigung mit verwandten und Hülfswiffenfchaften. Die Staatenkunde foll 1) den Staat (die Staatsgewalt und die Staatsgefellschaft) factisch nach feinem wirklichen Zustande darftellen; 2) und zwar in einem bestimmten Zeitraume alle gleichzeitigen Thatfachen zusammen, woraus 'fich der wirkliche Zustand ergiebt; 3) im Raum eines bestimmten Gebiets als ein bürgerlich vereintes Zusammenleben und Wirken in diefem Wohnlande nicht den Raum felbft, nach Grösse und Beschaffenheit; 4) unter bürgerDie Staatenkunde licher Verfaffung und Regierung.

ift daher a) mit der Staatslehre verwandt. Diese verhält fich zu jener, wie Idee zur Thatsache, wie Möglichkeit zur Wirklichkeit, wie Lehre zur Kunde, wie Theorie zur Erfahrung. b) Staatengefchichte, die mit den Zeitpuncten in Detail fortschreitet, da die Staatenkunde bei einem Zeitpuncte verweilt, und das Gleichc) Erdbezeitige mit den Resultaten zusammenftellt. Schreibung, die die Erde und die Länder nach Gröfse und Befchaffenheit, nicht als Gebiet des Staats, nicht die Staatsverbindungen, nicht das Leben und Weben der der Vorbehalt zur Menschen in diesen Verbindungen Sfaatenkunde und die (felbft als politische Erdbefchreibung) doch nur Erde und Länder zum Hauptgegenstande behält. d) Topographie, die überhaupt nur ein ergänzender Theil der Erdbefchreibung, als ftatiftifche Ortskunde, ein ergänzender Theil der Staatskunde ist.

e)

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