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Diefe Marktplätze

nigs if aber noch höher. find äusserft lang, fehr breit, und zu beiden Seiten mit Krambuden besetzt, Man fieht hier befonders viele Blumenhändler, weil man, hier die Blumen fo fehr liebt, dafs man lie nicht ent behren kann, und fie ein eben fo nöthiges Bedürfnifs geworden find, als die Nahrungsmittel. Jede Claffe von Kaufleuten hat hier ihre Buden beisammen. Die Juwelierer kramen hier ihre Perlen, Rubinen, Diamanten und Smaragde aus. *) - Fliefsende Walferbäche durchftrömen den königlichen Pallaft in allen Richtungen, und laufen in mit Steinen eingefalsten Canälen. Rechter Hand von den Wohnzimmern des Königs ift ein grofser Saal, deffen Decke von vierzig Säulen getragen wird; hier werden die Rathsverfammlungen gehalten; auf der Vorderseite läuft ein mehr als mannshohes Gemäuer hin, 30 Ellen lang und Ellen breit, auf demfelben fitzen die Secretäre, und daher wird daffelbe auch das Secretariat **) genannt. Man hat hier zweierlei Arten zu fchreiben; entweder auf zwei Ellen lange und zwei Finger breite Muskatnussblätter mit einem ftählernen Griffel, ohne Farbe; diele Schrift dauert nicht lange; oder auf fchwarzgefärbte Blätter mit einem dazu fpitzig gefchnittenen Steine, deffen Striche auf dem Schwarzen Grun de weifs erfcheinen, und diefe Schriftart ift die.

*) Hier ift eine lange, undeutliche und überflüffige Abfchweifung des Verfaffers über die Entstehung der Perlen u. f. w. weggelassen.

**) Defter - Khaneh.

ausgezeichnetfte und gefchätzteste.

In der

Mitte des gedachten Saals von 40 Säulen ist eine andere Erhöhung, auf welcher fich der Grossmeister des Pallaftes *), Dana-Nyk genannt, niederlässt, um in letzter Instanz und ohne weitere Appellation Recht zu fprechen. Unterhalb diefer Erhöhung auf der Vorderseite fteht dann eine doppelte Reihe Tfchopdars oder Stabträger. Die prozessführenden Parteien treten zwischen die beiden Reihen, küffen die Erde, und tragen, wenn fie fich wieder aufgerichtet haben, ihre Sache vor; worauf der Grofsmeifter des Pallaftes das Urtheil nach den Gesetzen und Landesgebräuchen ausfpricht, und Niemand wagt es dann, dagegen einzukommen. Nachdem derfelbe die Sitzung aufgehoben hat, werden ihm einige Sonnenfchirme von verschiedenen Farben dargebracht, man ftöfst in die Trompete, alle Anwefenden becomplimentiren ihn, und rufen ihm Beifall zu, während er fich zu dem Könige begiebt. Um in das Gemach des Königs zu kommen, geht man durch fieben Thüren, deren jede von einem Thürhüter bewacht wird. Der Minister hält bei jeder Thüre stille; wenn er an die fiebente kommt, fo tritt er allein hinein. Wann er nun mit dem Monarchen über die Staatsgéfchäfte gefprochen hat; dann geht er wieder in fein eigenes Appartement, das hinter dem des Königs ift. Zur Linken des Pallaftes steht der Münzhof.

In dem Königreiche Bisnagor giebt es drei,

*) Khodfcha - Sarai.

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Die

mehr oder minder feine Arten von Gold. erfte heifst Rehneh, welche aus einem Mifskal *) Zulatz und zwei Dynaren feinem Golde besteht; die zweite heifst Bertal und hat nur die Hälfte Gehalts der vorigen, und die dritte, Fenem **) genannt, hat nur den zehnten Theil des feinen. Gehalts der erstern. Diese letztere Art Goldmünzen ift die einträglichste für den königl. Schatz; auch hat derfelbe einen grofsen Gewinn von der Münze Nak, die aus einem Gemenge von Gold und Silber besteht, und, nur den fechften Theil des Gehalts von dem Fenem hat. Eine andere Art heifst Dfchetta. Jede Provinz bringt die bestimmte Quantität Gold, die ihr aufgelegt ift, alle Jahre an die Münze. Die Officiere und Soldaten werden alle vier Monate bezahlt, und Niemand erhält Anweifungen auf die Einkünfte der Provinzen. Die königliche Schatzkammer besteht aus mehreren Gemächern, welche WafferCifternen gleichen, und mit Gold in Barren angefüllt find. Die Reichthümer diefes Königreichs find unbegreiflich grofs. Die Niederen, wie die Vornehmen, ja fogar die geringften Handwerksleute, tragen Edelsteine und Gold in den Ohren, am Halfe, an den Armen, den Handknöcheln und an den Fingern.

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an

Die königlichen Elephantenställe stofsen an den Raths- oder Gerichtsfaal; der König unter

*) Ein Mifskal ift ungefähr 1 Drachmen.

**) Davon kommt das heutige Fanon in Indien her.

hält aber noch mehrere-Elephanten in allen feinen Staaten; die grössten behält er jedoch in feinem Pallaste. Ausserdem werden diejenigen, die fich fortpflanzen *), in der erften und zweiten Einfaffung der Stadt, zwifchen dem nördlichen und westlichen Thore, gehalten; hier werfen sie ihre Jungen. Der König hat einen weissen Elephanten von aufserordentlicher Gröfse, den man alle Morgen vor dem Könige vorbeiführt, weil feine Gegenwart für Glück versprechend gehalten wird. Wenn einer von diesen Elephanten stirbt, fo fallen die übrigen ihren Wärter an. Jedes von

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diefen Thieren hat einen abgefonderten Stall, der aufserordentlich starke Mauern hat. Man felfelt fie um den Leib und auf den Seiten mit Ketten, welche oben an der Decke befeftigt find, die aus dicken Balken besteht, damit die Elephanten fie nicht durchbrechen können; man felfelt fie auch an den Füssen.

Die Elephanten in den Wäldern werden auf folgende Weile gefangen. Man gräbt auf dem Wege, den fie nehmen, wenn fie zum Waffer gehen, eine tiefe Grube in die Erde, und bedeckt diefelbe fo, dafs fie nicht bemerkt werden kann. Wenn nun ein Elephant hineingefallen

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*) Man glaubte lange, die Elephanten pflanzten fich in der Gefangenfchaft nicht fort. Dafs diefe Meinung irrig ist, könnte fchon aus diefer Stelle bewiesen werden, wenn fie nicht fchon durch neuere Thatfachen widerlegt wäre.

ift, fo nähert fich zwei bis drei Tage lang kein Mensch der Grube; endlich kommt ein einzelner Mensch herbei und giebt ihm Stockfchläge, ein Anderer kommt fodann hinzu, reifst dem Erfteren den Stock aus der Hand, zerbricht ihn und ftellt fich auf diese Weife als den Vertheidiger des Elephanten an, dem er fodann auch etwas Speise reicht; diefes Spiel wird fo lange wiederholt, bis der Elephant Freundschaft für feinen scheinbaren Vertheidiger äufsert; dann nähert fich diefer ihm allmählich, liebkoset ihn, reicht ihm Baumfrüchte, die er am liebsten ist, und legt ihm am Ende eine Kette an, mit welcher er ihn zum Fluffe führt, um ihn trinken zu lassen. *)

Man erzählt, dafs ein Elephant, der einft auf diese Weile gefangen worden, wieder entwifchte und in den Wald zurückkehrte; aber von nun an nicht anders mehr zum Trinken gieng, als mit einem Baumftamme verfehen, mit welchem er den Grund befühlte, ehe er ihn betrat, um nicht wieder in eine Grube zu stürzen. Es war

alfo unmöglich, ihn auf diefelbe Weife nochmals einzufangen; da aber der König ihn durchaus wieder haben wollte, es gefchehe auf welche Art es wolle, fo fetzte fich einer der beherzteften Elephantenjäger auf einen Baum, an welchem der Elephant gewöhnlich auf feinem

* Diefe ziemlich unwahrscheinliche Art, Elephanten zu fangen, ift wenigstens heut zu Tage nicht mehr gebräuchlich.

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