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erreicht. Ungefähr Kabellänge, von der Nordfeite der Infel liegt eine Untiefe, Kullen *) genannt, welche auch mit einem Merkzeichen angegeben ist; man kann allenfalls zwifchen diefer und der Infel gehen. Mit Sturmwinde zwifchen Süden und Weften fegelt man durch den fogenannten Taarn Renden **), und wenn man die Klippe Jomfrue-Ringen ***) zur Seite hat, läfst man den Bakbord Anker fallen, und das Ankertau ablaufen, bis das Schiff fich gerade vor der Klippe SproRingen) befindet, da dana das Ankertau angehalten wird, und das Schiff dergeftalt vor feinem Anker liegt. Um es ferner in den Haven weiter hinein zu bringen, kommt der Lootie mit Fahrzeugen und Troffen zu Hülfe. Mit Sturmwinde zwischen Westen und Norden geht man die örtliche Seite von Tat **) und Graesholmen ***) vorbei, und während man die Merkzeichen auf den Untiefen bei Graesholmen gleichfalls zur Steuerbord - Seite vorbei fegelt, fo mufs man die Segel vermindern, um dadurch der Fahrt des Schiffes fo viel möglich Einhalt zu thun. Der Steuerbord - Anker muss augenblicklich fallen, indem das Schiff in die Mündung des Havens hinein kommt, der Lootfe findet fich dann fogleich ein. Dass man im Itürmilchen Wetter mit nördlichem Winde den Süder und mit füdlichem Winde den Norder - Einlauf hinein Segeln mufs, ift unumgänglich nothwendig, um es in feiner Macht zu haben, die Fahrt des Schiffes zu verhindern, damit man vorbeugen kann, fich felbft oder den andern im Haven liegenden Schiffen Schaden zuzufügen.

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Da der gröfste Theil der Schiffahrt in der Oftfee Chriftians-Öe vorbei geht, fo waren die Schiffe bisher der Gefahr ausgefetzt, des Nachts an diefer oder den umliegenden kleineren Felfen und Scheren zu fcheitern. Sowohl zur Verhütung diefes, als auch zur ferneren Leitung für die Seefahrenden, ist durch die thätigste Ver

*) **) ***) Man vergl. die Charte.

*) **) ***) Man vergleiche die Charte.

wendung des vortrefflichen Commandanten, im Jahre 1805 auf dem grofsen Thurme von Christians - Öe ein Lampenfeuer errichtet worden. Da ich wegen diefes Feuers einigemale des Nachts den Thurm bestieg, so will ich eine ganz kurze Beschreibung von der Einrichtung dieser Leuchte geben. Auf dem Thurme ift ein rundes Gemach von 16 Fufs im Durchmeffer und ungefähr 10 Fufs hoch gebaut, das ftatt der Wände rings herum mit starken gläsernen Tafeln bekleidet, also einer grofsen Laterne ähnlich ist. *) In diefem drehen fich durch ein aufgezogenes Uhrwerk 9 grofse Reverberspiegel von Metall, wovon immer drei auf einander gefetzt, mit einander verbunden find, und also gleichlam zwei Arme bilden, in perpendiculärer Richtung langfam innerhalb 3 Minuten herum, fo dafs zwifchen den Spiegeln und der Glaswand kaum 2 Fufs Platz bleibt. Vor den Spiegeln auf beiden Seiten find zwei grofse, hell brennende Lampen angebracht, fo dafs man, aus welchem Puncte man diefen Leuchthurm in der See erblickt, in der Zeit von 3 Minuten 9 ftarke Lichtblicke fehen muss; folglich vergeht eine Zwischenzeit von etwa 20 Secunden zwischen jedem funkelnden Schein, die in den Zwifchenzeiten verfchwinden. Doch nimmt man, wenn man nicht zu weit entfernt ift, beftändig den fchwächern Schein der fich herumdrehenden Lampen felbft gewahr. Die Höhe diefes Leuchtfeuers über der Meeresfläche beträgt 92 rheinländifche Fuls. Man hat diesem Feuer diefe Einrichtung gegeben, damit die Seefahrenden in jedem Falle es nicht mit dem vor einigen Jahren beim Nordhuk auf Bornholm angelegten Blufsoder Steinkohlenfeuer, das mit einer fteten Flamme brennt, und welches ich, wenn die Witterung nicht zu ftürmifch war, mehrmals von meinen Klippen des Nachts in Südwelt beobachtete, verwechseln. Die Höhe diefes Bornholmer Feuers ift 272 Fufs über der Meeresfläche, weswegen man es im fichtbaren Wetter in dem beträchtlichen Abftande von 5 bis 6 Meilen und noch darüber

*) Auf dem Profpect ift es gut angegeben.

nach der Höhe auf dem Schiffe, von welchem mau es erblickt, fehen kann. Das Chriftians - Öe'r Feuer ficht man 3 bis 4 Meilen weit. *)

Die vortreffliche dänische Regierung, welche ihren ganzen Ehrgeiz in der Beglückung ihrer Unterthanen befriedigt findet, hat in den neuesten Zeiten zur Erleichterung der Schiffahrt in der Oftfee aufserordentlich viel beigetragen. Ich befuchte diefes Leuchtfeuer zum erstenmale in Gesellschaft meines Freundes Gerdes und vou wenigftens zehn andern Capitäns, die alle den Kron

*) Für den Seefahrer und auch Geographen will ich hier einen kurzen Bericht von den Ankerplätzen bei Bornholm beifügen: Diefe Infel hat eigentlich keinen Haven, den bei Rönne ausgenommen, der nur für 6 bis 7 Fufs tief gehende Fahrzeuge ift. An der Südfeite der Infel ist zwar der Arnager Haven, wo ziemlich grofse Schiffe einlau fen können; es fteht aber diefer Haven gewiffen Winden often, hat keinen guten Ankergrund, und bietet fonft keine Hülfe dar. Uebrigens follte man nur im Nothfall an der ganzen Südfeite von Bornholm ankern, da der Grund hier gröfstentheils unrein ift. Es ift überhaupt nicht rathfam, füdwärts um diefe Infel zu gehen, weif es da, obgleich das Fahrwalder geräumig und breit ifty einige gefährliche Gründe und Untiefen giebt. Dagegen kann man, um nicht von einem widrigen Winde yer fchlagen zu werden, an verfchiedenen Stellen unter den Küften von Bornholm vor Anker gehen fo läfst fich mit öftlichen Winden in einer Entfernung 1f4 bis 1/2 Meile vom Lande längs der Weftleite diefer Infel überall an kern. Mit Südweft oder weltlichem Winde liegt an fehr gut unter der Küfte bei Sandvig, oder noch beffer, gerade vor Allinge; wenn aber der Wind nach Nord weft oder nördlicher geht, fo mufs man unverzüglich unter Segel gehen, und man kann dann nach der Frenne Rhede, oder weiter hinunter bis gerade vor Nezöc wier der ankern. Das Merkzeichen für den beften Ankerplatz. an dem letzten Orte ift die Flaggenstange am Haven in einerlei Richtung mit der Bols Kiache auf der Tiefe von 8 bis 9 Faden Walfer. An der Nordfeite von Bornholma von Allinge ab, bis jenfeits Seancke ift der Grund, theils nicht gut. theils müfste man, um nicht auf einer zu grofsen tiefe zu ankern, fich fo nalie ans Land legen, dafs man der Gefahr eines Lägerwalls ausgefetzt würde, wenn der Wind fich plötzlich verändern follte. 1

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prinzen von Dänemark und den würdigen Commandanten für diese vortreffliche Auftalt fegneten. In einer dunkeln, ftürmifchen Nacht ift ein folcher Feuerblick für den herum schwuppenden Seemann, der alie Minu ten das Scheitern und den Tod befürchten mufs, ein Blick vom Himmel! Im Haven von Christians-Öz selbst find vortreffliche Anftalten getroffen, um ein Schiff auszuladen, auszubeffern und zu kielhohlen. Die Güter können um eine mässige Abgabe in ein grofses Packhaus untergebracht werden. Ueberhaupt find die Abgaben ei-. nes Schiffes für das Einlaufen und das Havengeld sehr geringe und richten fich nach der Tiefe, in der daf felbe im Waffer geht. Bei Einrichtung des Leucht÷ feuers follte zu dessen Unterhaltung auf die ́einlaufenden Schiffe cine Abgabe gelegt werden; Herr Kohl aber brachte es durch Vorstellungen dahin, dafs der Staat die Koften trägt. Man muss aber auch aufrichtig fagen, dals Dänemark wegen des Sundzolies vorzüglich die Verpflichtung auf fich habe, für die Sicherheit der Schiffahrt auf der Oftfee zu forgen. Man kann im Durchschnitt annehmen, dass jährlich über 300 Schiffe in Chriftians-Öe Zuflucht fuchen oder ein- und auslau fen. Rechnet inan von jedem Schiffe im Durchschnitt 8 dänische Thaler Abgabe, fo ift die jährliche Einnahme 2,400 Thaler,

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Beide Felfen, Chriftians-Öe und Friedrichsholm, haben auf ihrer Oberfläche nur hie und da, gewöhnlich zwifchen, Klippen, kleine Plätze, wo fich entweder nach und nach felbft etwas Erde angefetzt hat oder dahin gebracht worden ift Mit unfäglicher Mühe haben daun die Einwohner die benachbarten Klippen und Steinerhöhungen abgebrochen und folche Plätze zu kleinen Gärten umgefchaffen, die alle von 7 bis 8 Fufs hohen Steinwänden eingefchloffen find. Diefe Umzäunungen von aufgefchichteten Steinen und Felfenftlicken zu er richten, verstehen die Bewohner fehr gut. Auch faft alle Fufswege find von folchen Steinwänden eingefchloffen Dergleichen geebnete Plätze hat man gewöhnlich noch mehr mit Erde von Bornholm überlegt. In diefen

Gärtchen baut man etwas Kohl, Peterfilie und Sellerie, Hie und da findet man auch einen kleinen Obstbaum, der aber felten blühet. Der königliche Magazinsverwalter hat befonders durch viele Koften einen ziemlich grofsen Platz reinigen und darauf einen Garten anlegen lassen, worin fich ein schönes Sonimerhaus befindet. Neben demfelben ist der eigentliche Luftort der Infel, der schon vor mehreren Jahren auf königliche Kosten mit Bäumen befetzt worden ist, und wo man die einzige grünende Natur fieht. Hier auf diefem Wafenplatze wird alle Jahre am Johannistage ein öffentlicher Tanz, also die Christians-Öe'r Kirchweihe, gehalten. Auf der Oftseite von Chriftians-Öe werden häufig Steine gebrochen und nach Copenhagen zu königlichen Bauten gefchafft. Privatperfonen ist es verboten. Wenn man das Gefetz machte, dafs jedes Schiff, welches eine Last Erde brächte, dafür eine Laft Steine einnehmen dürfte; fo würde, weil die Steine zum Bauen etc. vortrefflich find, in einem Zeitraume von 100 Jahren die Oberfläche ziemlich erniedriget, geebnet und mit Erde bedeckt, dadurch aber auch das vornehmste Befestigungsmittel vernichtet feyn.

Häufige Sturmwinde und häufige Regen machen den Aufenthalt, befonders in den Herbftmonaten, auf diesen Felfen nicht angenehm; dagegen tritt des Winters felten eine fo ftrenge Kälte ein, als man unter demselben Grad der Breite in Gegenden auf dem festen Lande fühlet. Vorzüglich zeichnete fich der letzte Monat December durch feine gelinde Witterung, wie durch feine Stürme aus. Am 23. December war es fo warm, dafs ich den ganzen Nachmittag mit Freund Janfen in feinem Gärtchen zubrachte.

Es befinden fich gegenwärtig auf Christians - Öe und Friedrichsholm 74 Häufer, in denen 446 Menschen wohnen. Alle Gebäude gehören dem Könige und die Leute bewohnen fie umfonft; nur der Befitzer der Schenke giebt jährlich einen Pacht von 100 dänifchen Thalern. Die Reparaturen an den Gebäuden geschehen auf könig

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