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Wer fich eines folchen Vergehens fchuldig macht, wird mit dem Tode beftraft. Ihre Verehrung diefes Thieres geht fo weit, dafs fie fich die Stirn mit feinem Kothe reiben. Fluch Gottes über fie!

Abd- Ulrizak erhielt nun endlich die Erlaubnis, Kalikut zu verlaffen und fich einzufchiffen. Er fuhr an Bendaneh *), einem Haven auf der Gränze von Malabar vorbei und kam nach Menelgur **), dem erften Seeplatze des Königs von Bisnagor. Er blieb zwei oder drei Tage dafelbft. Da er nun feine Reise zu Lande fortsetzte, kam er 3 Farfangen ***) weiter hin zu einem Götzentempel, der feines gleichen nicht auf der Welt hat. Es ist ein gleichfeitiges Viereck; jede Seite ift etwa 10 Ellen breit und 5 Ellen hoch, mit Porzellan und Gufswerk garnirt. Es find vier Reihen Wandbänke oder Sòms darin, auf welchen ein Götzenbild von menschlicher Gestalt und Grösse fteht, von maflivem Golde und mit zwei Rubinen ftatt der Augen, die fo künftlich gefafst find, dass man glaubt, der Göze fehe und werfe feine Blicke umher.

*) Da diefer Name fich fonft nirgends vorfindet, so ist` vermuthlich Kananor, darunter zu verstehen.

**) Richtiger Mangalor, Seehaven auf der Küfte Malabar,

***) Perfifche Meilen, 11 Farfangen machen eine geographifche Meile oder 22 Farfangen (Parafangen) 15 geogr. Meilen 1 Grad des Aequators.

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Von da kam der Gefandte auf feiner weiteren Reise einen Tag um den anderen in einen grofsen wohlbevölkerten Flecken, bis er endlich an einem Berge anlangte, deffen Fufs Schatten auf die Sonnenfcheibe werfen könnte. Der untere Theil diefes Berges war mit einer Menge hochftämmiger Bäume und fo anfehnlicher Dornbüfche befetzt, fo dafs zu keiner Zeit ihre fchwarze Dunkelheit von den glänzenden Strahlen des Geftirns, welches das Weltall erwärmt, erleuchtet werden kann. Nachdem Abd- Ulrizak durch diefen Wald gezogen war, kam er zu einem Flecken, Namens Beglur, deffen Häuser Palläften glichen und die Frauensperfonen den himmlifchen Huri's. Unter den öffentlichen Gebäuden ift ein Götzentempel, der fo hoch ift, dafs man ihn in der Entfernung von mehreren Farfangen fehen kann. Es ift nicht möglich ihn ganz genau zu beschreiben. Doch mag folgende Skizze von demselben einige Notiz geben.

In der Mitte des Dorfes ift ein ebener Platz von ungefähr zehen Dfcheribs *), dem paradiefifchen Garten von Irem **) gleich, mit Rosen und tausend anderen reizenden Blumen übergoffen,

und

*) Ein Dfcherib oder Bygah ist ein Feldmaafs, das 3600 Quadrat - Ellen (Guez) enthält; eine folche Elle hielt damals etwa 32 Zolle.

*) Ein irdifches Paradies, das, einer orientalischen Sage zu Folge, ein König, Namens Schedad, angelegt haben foll, um das himmlifche Paradies der Gottheit zum Trotze nachzuahmen.

und mit Gränzfteinen eingefafst. Im Mittelpuncte diefes Raums erhebt fich eine mannshohe Terrasse, die ganz mit so gefchickt in einander gefüg ten Steinen überkleidet ist, dafs man fie für einen einzigen Stein halten follte. In der Mitte diefer Terraffe steht ein Tempel mit einer fchönen Kuppel, die mit blauen äufserft glatten Steinen überkleidet ift, und fich bis zu den Sternen erhebt. Die Kuppel ist mit drei Reihen von Gemälden geziert, und das ganze Gebäude ist von unten bis oben hinaus mit halb erhabenen Figuren und Gözzenbildern bedeckt. Der Tempel an fich ist 30 Ellen lang, 20 breit und ungefähr 50 hoch. Ausser diesem Haupttempel find hier noch mehrere andere kleinere von verfchiedener Gröfse, alle gemalt und mit Götzenbildern angefüllt. Jeden Morgen und Abend werden in diefen Tempeln allerlei aberglau bifche Ceremonien vorgenommen, auf welche Spiele, muficalische Concerte, Tänze, Gefänge und Schmaufereien folgen. Die Bewohner dieses Orts leben von den Geschenken, welche die Wallfahrer hieher bringen, die aus den entferntesten Städten herbeikommen, um ihre Gelübde zu erfüllen.

Nachdem Abd- Ulrizak fich einige Tage an diesem Orte aufgehalten hatte, fetzte er feine Reife fort und kam am letzten Tage des Monats Suhl - Hhadfchah (30. April 1443) in der Stadt Bisnagor an. Der König fchickte ihm entgegen und wies ihm eine angenehme Wohnung an.

A. G. E. XXVI. Bds. I. St.

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4.

Befchreibung von Bisnagor. *)

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Abd- Ulrizak fand, als er in Bisnagor angekommen war, diese Stadt sehr gross, schön gebaut und wohlbevölkert; fie ift die Hauptstadt eines grofsen Königreichs, das fich von der Infel Ceilan bis Kelberkel **), und von Bengalen bis auf die Küfte Malabar ***) erftreckt, in einem Raume von mehr als 1000 Farfangen. Das ganze Land ift aufserordentlich ftark bevölkert, und man zählt darin 600 beträchtliche Seehäven. Der König hat mehr als taufend berghohe, rieTengleiche Elephanten und eilfmal hunderttaufend Mann Soldaten. Es ist der mächtigste Rai der Indier. Der Titel Rai †) bezeichnet bei den Indiern einen Padifchah oder Kaifer. Doch find die Brumanen in jeder Rücklicht über ihm. Das Verhältnifs zwifchen diefen' und dem Monarchen kann man aus den Gefchichten des Buches Koleilah und Dimnah ††) kennen lernen, das auch ins Perfifche übersetzt ist, worin man ein Ge

*) Eigentlich Bidfchangor oder Bedfchanagur, erbaut im J. 1344 von Belaldeo, König von Karnatik, und benannt nach feinem Sohne Bidfchen; diefe Stadt erhielt nachher den Namen Golkonda.

**) Kalberga, Feftung.

***) Im Originale fteht Yelbar.

†) Richtiger: Radfchah.

++) Dies find die Fabeln, die unter dem Namen eines Bidpai auch durch Uebersetzungen bekannt find.

spräch zwischen einem Rai und einem Bramanen findet. Die heutigen Bramanen haben noch denfelben Character und diefelben Grundfätze, wie die alten,

Die Einwohner von Bisnagor find fchwarz. Mit dem, was man von ihnen und ihrer Stadt erzählt, läfst fich gar nichts vergleichen; diefe letztere ist mit fieben Schlöffern und eben fo vielen Mauern umgeben. Vor der erften Einfaffung ist eine 50 Ellen breite Esplanade, ganz von grofsen mannshohen Steinen, welche bis zur Hälfte in die Erde verfenkt find, und dazu die nen, die Cavallerie vor der Mauer entfernt zu halten. Man rechnet zwei Farfangen von dem nördlichen Thore des erften Schloffes und der erften Mauer bis zum andern, auf der Südfeite, gegenüber liegenden Thore, und eben fo viel von dem öftlichen bis zum weftlichen Thore. Innerhalb der erften, zweiten und dritten Einfaffung find Ackerfelder und Gärten, mit Häufern vermifcht; aber von der dritten bis zur fiebenten Einfaffung ift alles mit Häufern, Buden und Marktplätzen angefüllt. Der königliche Pallaft ift von vier grofsen an einander stofsenden Bafars oder Kaufhöfen (bedeckten Marktplätzen) umgeben. Auf der Nordfeite ift der Pallaft des Saturn, d. h. des Königs. *) Bei jedem Kauf. hofe ift ein fehr hoher bedeckter Thurm mit einer Gallerie rings umher; der Thurm des Kö

*) Keiwan bezeichnet im Perfifchen den Planet Saturn.

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