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liches Land *); aber es haben fich hier viele Mufelmänner niedergelaffen; fie haben zwei Mófcheen, worin fie öffentlich ihre Gebete halten. Sie haben auch ihren eigenen Kadi und zwei Imams. Die Sicherheit ist in diesem Seehaven fo grofs, und die Gerechtigkeit fo gut verwaltet, dass die ausgeladenen Waaren auf den Marktplätzen offen liegen bleiben; wann fie verkauft find, fo - bezahlt man nur ein Vierzigstel (2 Procent) dayon als Abgabe. In den übrigen Häven auf dieser Küfte, ist es der Gebrauch, dass wenn ein Schiff durch die göttliche Allmacht gezwungen wird, ‘in einen andern Haven einzulaufen, als den, für welchen es bestimmt war, die Waaren desselben mit Arreft belegt und confiscirt werden. Diefer Gebrauch wird aber zu Kalikut nicht beobachtet. Alle dafelbft anlangenden Schiffe werden gut aufgenommen, fie mögen kommen, woher fie wollen; fie fahren wieder ab, wann es ihnen gefällig ist, und verkaufen ungehindert ihre Waaren, wenn fie den Zoll bezahlen, und fonft verlangt man weiter nichts.

Abd- Ulrizak erblickte hier, als er ans Land kam, ein Volk, wie fich die verfchrobenste Einbildungskraft keines denken könnte. Er hätte nie geglaubt, dafs es in der Welt Völker gebe, die eher den Teufeln, als den Menschen gleichen.

*) Dari- Hharb, ein Kriegsland, d. h. ein Land, mit welchem (nach dem Koran) alle Rechtgläubige im Kriege, und von welchen alle Mufelmänner geborne Feinde feyn follen,

Die hiefigen Einwohner waren ganz Ichwarz und nackt; fie trugen blofs ein Stück Zeuch um den Leib, das ihnen nicht weiter, als bis auf die Kniee reichte; in der einen Hand einen indifchen Wurffpiefs, fo glänzend wie ein Tropfen Waffers, und in der andern einen Schild von Ochfenleder *). Alle find auf gleiche Weife gekleidet, von dem Könige bis zum niedrigsten feiner Unterthanen herab. Die Mufelmänner find aber verfchieden gekleidet und tragen lange Röcke, wie die Araber. Sie haben gute, feine Sitten. Da AbdUlrizak als Gesandter bei dem Könige von Kalikut hier anlangte, fo wurde er fowohl von den Mufel. männern, als von den Ungläubigen empfangen, und in eine Wohnung geführt, die von dem Könige **) für ihn bestimmt war.

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Schah Rokh fchickte dem Könige von Kalikut ein angefchirrtes Pferd, köftliches Rauchwerk und eine Ceremonien Mütze, weil feine Gefandten, auf ihrer Rückkehr aus Bengalen mit den Gesandten dieses Königreichs fich einige Zeit zu Kalikut aufgehalten hatten, wodurch der Fürft diefes Landes von der Macht und Gröfse des Schah-Rokh unterrichtet worden war.

Abd-Ulrizak wurde nun in die Audienz zu dem Könige von Kalikut geführt, in welchem er einen

*) So fchildern auch die früheren europäischen Seefahrer die Einwohner diefer Stadt, die feither doch etwas gefitteter worden find.

**) Unser Verfasser giebt ihm nur den Titel Uali, Fürft.

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nach der Weise der Indier nackten Mann erblickte. Man betitelt ihn Ra - Samory *), welches so viel bedeutet, als König **).

Wann der König ftirbt, fo folgt ihm feiner Schwefter Sohn auf dem Throne nach; nie gelangt einer feiner Söhne, noch einer feiner Brüder, noch ein anderer Verwandter auf denfelhen. ***).

Diefe Ungläubigen theilen fich in mehrere Secten oder Kaften; es find Bramanen, Mönche, die man Dfchoki †) nennt, und andere darunter; ob fie gleich ausgemachte Polytheisten und Gözzendiener find, fo find fie doch in ihren Gebräuchen von einander verfchieden. Es giebt hier auch eine Secte, bei welcher mehrere Männer nur cine Frau haben, die fie gemeinschaftlich unterhalten, und abwechselnd zu beftimmten Stunden, fowohl bei Tag, als bei Nacht befuchen, fo dass kein Anderer zu ihr kommen darf, während der Eine bei ihr ist. ††) Zu diefer Secte gehört der Samory.

*) Daraus machten die europäischen Seefahrer den Titel: Samorin.

**) Im Originale Padfchah, welches eigentlich foviel ausdrückt, als das Wort Kaifer.

***) Aehnliche Gebräuche findet man auch in anderen kleinen aufsereuropäischen, befonders afrikanischen Staaten.

+) Richtiger Joki, d. h. Fromme.

D. Ueb.

++) Ungefähr daffelbe wird auch von einer Klasse der Tibetaner erzählt, wo die Brüder die gemeinschaftlichen Ehemänner ihrer Schwefter feyn follen.

D. Ueb.

Diefer Fürft hatte zwei- bis dreitaufend Indier bei fich, als Abd- Ulrizak zur Audienz gieng; der Saal war mit Gemälden verziert; angefehene. Mufelmänner fetzten fich zu dem Gefandten hin, lafen und überfetzten das Creditiv, das Schah-Rakh ihm für den König mitgegeben hatte, und überga ben ihm dann das angefchirrte Pferd, den Pelz, den goldgeftickten Stoff und die Ceremonienmütze. Der Samory empfieng diefe Gefchenke nicht mit den freundlichften Blicken, und der Gefandte zog fich fehr unzufrieden zurück. Inzwifchen kamen die Leute von feinem Gefolge an, die der Fürft von Hormuz mit den Pferden und verschiedenen anderen Dingen auf das andere Schiff hatte einschiffen laffen; fie hatten Alles verloren; denn fie waren in die Hände von Seeräubern gefallen, die ihnen nichts als das Leben liefsen.

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Abd Ulrizak mufste von dem Anfange des Monats Dfchemady-Elakher (October 1442) bis zu Ende des Monats Suhl - Hhadfchah (April 1443) zu Kalikut bleiben, und diefer Aufenthalt ward ihm äufserft peinlich; denn er mufste hier viele Unannehmlichkeiten erdulden. Einft fah er bei Nacht den Schah- Rokh im Traume, der in feinem vollen kaiferlichen Pomp einherzog, und indem er fich feinem Sclaven näherte, fuhr er ihm mit der Hand über das Geficht, und fagte zu ihm: ,,Kümmere dich nicht"! - Am folgenden Morgen, nachdem er fein Gehet verrichtet hatte, kam ihm diefer Traum wieder ins Gedächtnifs, und er wurde fehr dadurch erfreut; denn ob er gleich fonft nicht an Träume glaubt, fo fchmeichelte er

fich doch, diefer wenigftens könne von guter Vorbedeutung feyn. Wirklich war er es auch; denn während er ihn feinen Freunden erzählte, dete man ihm, der König von Bisnagor, einer der mächtigsten in Indien, habe einen Eilboten an den König von Kalikut abgefchickt mit einem Briefe, worin er diefen erfuchte, ihm fogleich den Gefandten des Schah Rokh zuzufchicken. Obgleich der König von Kalikut nicht von dem Monarchen von Bisnagor abhängt, fo, fürchtet er ihn doch, weil derfelbe ohne Vergleich mächtiger ift, als er. Er erlaubte daher dem Abd - Ulrizak nach Bisnagor abzureifen. Man verfichert, dafs diefer Monarch 600 Seehäven habe, die alle fo fchön find, als der von Kalikut, und dafs feine Länder fich im Innern auf zwei bis drei Monate Reifewegs erftrecken, und mit fchönen Städten angefüllt find. Da hingegen der Fürft von Kalikut nur einige Plätze längs der Küfte hin, bis zu dem Vorgebirge hat, das der Infel Serandib, die man sonst auch Ceylan nennt, gegenüber liegt. Dieler ganze

Staat führt den Namen Malabar.

Von Kalikut gehen auch verschiedene Schiffs. ladungen von Waaren, befonders von Pfeffer, nach Mekka.

Die Einwohner von, Kalikut find beherzte, kühne Seefahrer; weswegen auch die Seeräuber ihre Schiffe nicht angreifen. Man findet alle Arten von Waaren in ihren Häven. In ihren Augen giebt es kein gröfseres Verbrechen, als eine Kuh umzubringen, und ihr Fleisch zu effen.

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