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4) Eine specifische Liste derjenigen allgemeinen und besonderen, aus denen ihrer Mitglieder (Art. 25) entnommenen oder sonst entstandenen Anträge und Vorschläge, von denen jede Commission verlangen sollte, daß sie bei der folgenden allgemeinen Jahresversammlung (Art. 7 der Vorschr.) in Erwägung gezogen, oder beschlossen würde, sie an ihre Departementsverwaltung einzuliefern.

Art. 30. Eine gleiche beglaubigte Abschrift der allgemei nen Jahresübersicht (Art. 27) wird zu gleicher Zeit von der Commission an die respective Departemental oder Provincials Verwaltung gesandt, während ferner von allen übrigen Stücken, auf Verlangen derselben, wie auch dem Mitglied derselben, welches speciell mit der Sorge für das niedere Schulwesen und Unterricht beauftragt ist (Art. 5 des Gesetzes), Vorlage geschieht, zu welchem Ende alle im Original an den Staatssecretår des Innern eingesandten Stücke, namentlich die schriftlichen Angaben der verschiedenen Schulinspectoren (Art. 24), deren Jahresberichte (Art. 25), so wie die jährlichen schriftlichen Angaben der verschiedenen Ortsschulcommissionen (Art. 26), nachdem davon bei dem Departement des Junern der nöthige Gebrauch ist gemacht worden, und långstens zwei Monate nach dem Empfang, an den Secretår der letztgehaltenen Versammlung sollen zurückgesandt werden, um bei den Acten und Papieren der respectiven Commissionen niedergelegt und aufbewahrt zu werden.

Art. 31. Der Rathspensionär behält sich die Freiheit vor, gegenwärtige Instruction so zu erklåren, zu ändern und zu erweitern, als es gehörig wird befunden werden.

Drittens, daß, gemäß Art. 21 des im ersten Abschnitt dieses Gegenwärtigen enthaltenen Schulgesetzes, durch den Rathspensionår dem Volke der Zeitpunkt wird bekannt werden, da alle vorigen Plakate, Statuten, Ordonnanzen, Gutachten oder Vorschriften, die in dieser Republik über das Schulwesen herausgekommen sind, und alle Schulordnungen, wie auch immer genannt, speciell die Bekanntmachung vom 29 Julius 1803, nebst allen daraus hervorgegangenen allgemeinen und besondern Verordnungen und Schulvorschriften abgeschafft und außer Kraft gesetzt werden sollen.

Demzufolge verordnen und befehlen wir, daß Gegenwärtiges soll verkündigt und angeschlagen werden überall da folches gehört; mit Auftrag an Alle, die es angeht, zu sorgen, daß der Inhalt dieses pünktlich vollzogen werde.

Geschehen im Haag, den 3 April 1806.

(gez.) R. J. Schimmelpenninck,
Rathspensionär
(darunter)

Zur Verordnung (für die Vollziehung)
der allgemeine Staatssecretår
(unterz.) C. G. Hultman.

Beilage R.

Geset

über

den höhern Unterricht.

Den 2 August 1815.

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König der Niederlande, Prinz von Oranien-Nassau, Großher zog von Luxemburg c. 2c. 20.

Nach Prüfung des Berichtes der durch unsern Beschluß vom 18 Januar 1814, Nro. 66, mit der Entwerfung einer Or ganisation des höheren Unterrichts beauftragten Commission; welcher Bericht begleitet war von einem darauf basirten Entwurf und von den Bemerkungen, sub dato 31 Mai 1814 bei der Commission eingereicht, sowohl durch deren Mitglieder Muntinghe und Camper zusammen, als durch lehtgemelderen besonders;

Nach Ansicht des Gutachtens Unsers Staatssecretårs des Innern;

Nach Vernehmung des Staatsraths; haben beschlossen und beschließen:

Art 1. Unter dem Namen höherer Unterricht" wird solcher Unterricht verstanden, der zum Zweck hat, den Schüler nach Vollendung des niederen und mittleren Unterrichts zu einem gelehrten Stand in der Gesellschaft vorzubereiten.

Art. 2. Es steht jedem, der sich dazu tüchtig fühlt, frei, in den Gegenständen dieses Unterrichts Anderen Unterweisung zu geben; doch soll bei der Zeitberechnung der Studien nur der auf

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den durch allgemeine öffentliche Autoritåt bestätigten und anerkannten Anstalten genossene Unterricht in Betracht kommen.

Art. 3. Als solche Anstalten werden anerkannt die durch diesen Beschluß bestätigten lateinischen Schulen, Athenåen und Hochschulen (Universitåten), und zwar gemäß der in Betreff derselben respective in den folgenden Hauptstücken enthaltenen Bestimmungen.

1.

Erftes Hauptstück.

Die lateinischen Schulen *).

Art. 4. Die lateinischen Schulen müssen als die erste Stufe des höheren Unterrichts betrachtet werden, und als insonderheit für diejenigen bestimmt, welche nach der ersten Bildung durch den niederen und mittleren Unterricht nun weiter zu einem höhern oder gelehrten Stand in der Gesellschaft sollen verbreitet werden.

Art. 5. Kein Schüler kann an einer lateinischen Schule zugelassen werden, von dem nicht bei einem vorhergehenden Eramen sich sollte gezeigt haben, daß er im Lesen, Schreiben, Rechnen, den Anfangsgründen der holländischen Sprache und den Elementen der Geographie und Geschichte wohl bewandert ist. In Fällen jedoch, wo die Forderung der Kenntniß leßtgenannter Elemente etwas hart scheinen möchte, wird den Curatoren frei gestellt, darin nach Billigkeit zu handeln.

Art. 6. Dieses Examen soll zweimal des Jahrs, und zwar kurz vor dem Beginn jedes halbjährigen Cursus, von einer durch die städtische Verwaltung dazu ernannten oder qualificirten Com mission vorgenommen werden.

Art. 7. Hat diese Commission einen Schüler fähig befunden, so soll sie ihm darüber ein Zeugniß ausstellen, damit er darauf hin bei dem Rector der lateinischen Schule sich als Schü ler an derselben könne einschreiben lassen.

Art. 8. Aller Orten, wo durch hohe Autorität Schulen mittleren Unterrichts sollten errichtet oder anerkannt seyn, kann

*) Unsere Gymnasien,

obiges Examen oder Zeugniß durch eine schriftliche Erklärung des Inspectors oder Vorstehers (besturder) dieser Schulen über die genügende Gewandtheit des Schülers in den Art. 5. bemeldeten Gegenständen ersehtë

Art. 9. Auf den lateinischen Schulen foll vor allem, wie der Name solches andeutet, in der lateinischen Sprache und weiter Geförderten auch in der griechischen Sprache Unterricht ertheilt werden, doch so viel möglich in der Art, daß die Schüler dabei zugleich andere ihnen unentbehrliche Zweige des Wissens ausbilden; und soll deßwegen nach Beendigung des tåglichen Unterrichts in den alten Sprachen auch regelmäßig in diesen übrigen Wissenschaften Unterricht ertheilt werden.

Art. 10. Die Wissenschaften, in welchen fortan auf den lateinischen Schulen außer den alten Sprachen soll Unterricht gegeben werden müssen, sind: die Elemente der Mathematik, die neue und alte Geographie, die neue und alte Geschichte, die griechische und römische Mythologie.

Art. 11. Auf den lateinischen Schulen soll, außer in den Ferien, Unterricht gegeben und Schule gehalten werden müssen alle Tage der Woche, ausgenommen die Sonn- und Feiertage, des Morgens von 9, bis 12 Uhr und Nachmittags in den drei Wintermonaten von 2 bis 4 Uhr, und in den übrigen Monaten von 2 bis 5 Uhr, mit Ausnahme bloß der Nachmittage von Mittwoch und Sonnabend, an welchen zu keiner Zeit des Jahres Schule gehalten werden soll.

Art. 12. Es soll eine große Ferienzeit seyn von sechs Wochen im Sommer, zu einer Zeit, die den drtlichen Verhält nissen am angemessensten ist. Außerdem soll in der Weihnachtswoche und in der Woche, die auf jede der später zu erwähnenden Prüfungen und Promotionen folgt, keine Schule gehalten werden.

Art. 13. Der Unterricht in den alten Sprachen soll gegeben werden müssen des Morgens während der zwei ersten Stunden der Schulzeit, und Nachmittags in den drei Wintermonaten während der ganzen Schulzeit, und in den übrigen Monaten des Jahres während der zwei ersten Stunden der Schulzeit. Die letzte Stunde der Morgenschulzeit während des ganzen Jahres und die lehte Stunde der Nachmittagschulzeit während neun

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