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cher er bis jego in ihnen sey gegeben worden. Zugleich sprach ich die Hoffnung aus, es sey vielleicht dem jüngern Geschlechte vorbehalten, bei dem großen Umschwunge der Naturstudien und der Verjüngung aller seiner Bestrebungen eine Methode zu finden, nach welcher derselbe als ein Mittel, Nachdenken und innere Theilnahme in der Jugend zu erwecken, und als eine Ergänzung ihres auf Gymnastik des Geistes gerichteten Bestres bens betrachtet und in den Kreis ihrer bewährten Lehren aufgenommen zu werden, würdig erschiene.

Das Verfahren des Hrn. Dr. Suffrian geht darauf aus, dieses zu leisten, und ich halte mich deßhalb verpflichtet, auch meine Leser bestimmter auf dasselbe hinzuweisen, zumal die königlich preußische Regierung sich veranlaßt gefunden hat, dasselbe in Bezug auf ihre Studienanstalten durch Mittheilung des genannten Berichtes zu thun.

Beilage N.

Reglement für die Prüfung

der

zu den Universitäten übergehenden Schüler.

§. 1.

Wer zum Bestehen der Maturitätsprüfung vor dem Abgange zur Universität verpflichtet ist.

Jeder Schüler, welcher sich einem Berufe widmen will, für den ein drei oder vierjähriges Universitätsstudium vorges schrieben ist, muß sich vor seinem Abgange zur Universität, er mag eine inländische oder auswärtige Universitåt besuchen wollen, einer Maturitätsprüfung unterwerfen, und zwar ohne Unterschied, ob er seine Vorbereitung auf einer öffentlichen ins ländischen oder auswärtigen Schule oder durch Privatlehrer erhalten hat.

§. 2.
Zweck der Prüfung.

Der Zweck dieser Prüfung ist, auszumitteln, ob der Abiturient den Grad der Schulbildung erlangt hat, welcher erforderlich ist, um sich mit Nußen und Erfolg dem Studium eines besonderen wissenschaftlichen Fachs widmen zu können. §. 3.

Ort derselben.

Die Prüfung wird nur bei den Gymnasien vors genommen, und somit ist es von jezt an nicht mehr gestattet, dieselbe bei den königlichen wissenschaftlichen Prüfungscommiss

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fionen abzuhalten. Die Befugniß zur Maturitätsprüfung wird allen Gymnasien, die als solche von dem unterzeichneten Ministerium anerkannt sind, in gleichem Maße ertheilt.

§. 4.

Zeit der Prüfung.

Die Prüfung findet innerhalb der beiden letzten Monate eines jeden Semesters statt.

§. 5. Prüfungsbehörde.

Die Veranstaltung der Prüfung ist das Geschäft der bei jedem Gymnasium befindlichen Prüfungscommission, welche besteht aus:

a) dem Rector oder Director;

b) den Lehrern des Gymnasiums, welche den Unterricht in der obersten Classe besorgen;

c) einem Mitgliede des Ephorats, Scholarchats oder Curatoriums bei den Gymnasien, wo eine solche Local - SchulBehörde vorhanden ist;

d) einem Commissarius des königlichen Provincial - SchulCollegiums.

Der Lettere, welcher den Vorsiß in der Commission führt, und die ganze Prüfung zu leiten hat, wird dem unterzeichneten Ministerium zur Genehmigung pråsentirt, so wie es für das unter Lit. c. genannte Mitglied der Commission der Bestätigung des königlichen Provincial-Schul-Collegiums bedarf.

§. 6.

Anmeldung zur Prüfung.

Die Abiturienten haben drei Monate vor dem be absichtigten Abgange zur Universität beim Director ein schriftliches Gesuch um Zulassung zur Prüfung einzureichen, und demselben ihren in der Muttersprache geschriebenen Lebenslauf beizufügen.

§. 7.

Bedingung zur Zulassung.

Das Gesuch der Schüler um Zulassung zur Prüfung darf erst in den drei lezten Monaten des vierten Semesters ihres Aufenthalts in Prima erfolgen. Der pflichtmäßigen Be

urtheilung des Lehrercollegiums wird indessen anheim gestellt, Schüler, welche sich durch Fleiß und sittliche Reife, durch ihre Gesammtbildung, so wie durch ihre Kenntnisse in den einzelnen Unterrichtsgegenständen auszeichnen, felbst schon in den drei legten Monaten des dritten Semesters ihres Aufenthalts in Prima, jedoch nur ausnahmsweise zur Prüfung zuzulassen.

S. 8.

Verfahren bei der Meldung von Untüchtigen.

Sollten sich Schüler melden, bei welchen der Director im Einverständnisse mit ihren Lehrern, in Hinsicht der wissens schaftlichen und sittlichen Bildung noch nicht die erforderliche Reise voraussehen darf, so hat er sie alles Ernstes mit Vors haltung der Nachtheile eines zu frühzeitigen Hineilens zur Universität von der Ausführung ihres Vorsaßes abzumahnen, auch ihren Eltern oder Vormündern die nöthigen Vorstellungen zu machen. Indessen kann dem, welcher schon drei Semester hins durch Mitglied der ersten Classe gewesen ist, und sich im vierten Semester zur Prüfung meldet, die Zulassung, wenn er der Warnung des Directors ungeachtet darauf besteht, nicht vers weigert werden.

§. 9.

Einleitung der Prüfung.

Der Director ist verpflichtet, dem königlichen Com: missarius und den übrigen Mitgliedern der Prüfungscommission von der geschehenen Meldung der Abiturienten zur rechten Zeit Anzeige zu machen, und in Uebereinstimmung mit dem königlichen Commissarius das Nöthige für die Prüfung einzuleiten. 6. 10.

Gegenstände der Prüfung.

Die Abiturienten werden in folgenden Sprachen und Wissenschaften geprüft:

1. In Sprachen.

In der deutschen, lateinischen, griechischen und franzdsischen Sprache; für die Abiturienten der Gymnasien des Großherzogthums Posen tritt noch die Prüfung in der polnischen Sprache hinzu. Diejenigen, welche sich dem Studium der TheoThiersch, Zust, des öffentl. Unterr. Beil, z. I, Bd,

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logie oder Philologie widmen wollen, müssen sich auch einer Prüfung in der hebräischen Sprache unterwerfen.

2. In den Wissenschaften.

In der Religionskenntniß, in der Geschichte verbunden mit Geographie, in der Mathematik, Physik und Naturbeschreibung und in der philosophischen Propädeutik.

§. 11.

Maßstab und Grundsäße für die Prüfung.

Bei dem ganzen Prüfungsgeschäft ist jede Oftentation, so wie alles zu vermeiden, was den regelmäßigen Gang des Schulcursus stören, und die Schüler zu dem Wahne verleiten könnte, als sey ihrerseits bloß zum Bestehen der Průfung, während des letzten Semesters ihres Schulbesuchs, eine besondere, mit außerordentlicher Anstrengung verbundene Vorbereitung nöthig und förderlich. Der Maßstab für die Průfung kann und soll derselbe seyn, welcher dem Unterricht in der obersten Classe der Gymnasien und dem Urtheile der Lehrer über die wissenschaftlichen Leistungen der Schüler dieser Classe zum Grunde liegt, und bei der Schlußberathung über den Ausfall der Prüfung soll nur dasjenige Wissen und Können und nur diejenige Bildung der Schüler entscheidend seyn, welche ein wirkliches Eigenthum derselben geworden ist. Eine solche Bildung läßt sich nicht durch eine übermäßige Anstrengung während der letzten Monate vor der Prüfung, noch weniger durch ein verworrenes Auswendiglernen von Namen, Jahreszahlen und unzusammenhängenden Notizen erjagen, sondern sie ist die langfamreifende Frucht eines regelmäßigen, während des ganzen Gymnasialcursus stätigen Fleißes.

Diese Gesichtspunkte, welche das ganze Prüfungsgeschäft leiten sollen, sind den Schülern der oberen Classen bei jeder schicklichen Gelegenheit möglichst eindringlich vorzuhalten, damit fie zur rechten Zeit und auf die rechte Art sich eine gediegene Schulbildung erwerben, nicht aber durch ein zweckwidriges auf Oftentation berechnetes Sichabrichten für die Prüfung sich selbst täuschen, und die Prüfungsbehörde zu tåuschen suchen.

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