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Der Classenlehrer hat sich auch mit den Nebenlehrern über die Bertheilung der häuslichen Arbeiten der Schüler zu benehmen, damit hierin eine Ueberladung vermieden, und eine gehörige Eintheilung solcher Arbeit in die Zeit erzielt werde, und zu diesem Zwecke, wie überhaupt wegen aller, ein gemeinsames Zusammenwirken der Lehrer erfordernden Angelegenheiten seiner Classe, mit den Nebenlehrern in periodischen engern Conferenzen, welchen der Director der Anstalt, so oft er es für angemessen hålt beiwohnt, in Berathung zu treten.

S. 54.

In der Regel soll an einem bestimmten letzten Wochentage jedes Monats eine allgemeine Lehrerconferenz statt finden. Außer ordentliche Conferenzen finden statt, so oft eine dringende Veranlassung hiezu vorhanden ist.

Der Lehrerconferenz werden vorgelegt:

1) die periodisch auf Fleiß und Sittlichkeit der Schüler bezügliche Nachweisung;

2) die lateinischen oder französischen Stylproben der Schüler,

von denen die vorzüglichsten eine Belobung erhalten sollen. 3) die Anträge auf Ausweisung eines Schülers;

4) die Anordnungen, die für die öffentliche Prüfung zu treffen find, so wie die Locationen für die öffentlichen Prüfungen, die Promotionen und die Antråge auf Entlassungen zum Bezuge der Universität;

5) die Vertheilung der Unterrichtsstunden unter den Lehrern der Anstalt, und Alles, was auf die Ausführung, nåhere Bestimmung, oder Verbesserung des Lehrplans und auf die Lehrbücher Bezug hat;

6) Vorschläge über Anschaffungen für die Bibliothek und für andere Lehrapparate, insofern nicht einzelnen Lehrern die Verwendung eines Aversums nach eigenem Ermessen überlassen ist;

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7) alle Gegenstände, worüber die Oberstudienbehörde das Guts achten der Lehrerconferenz verlangt, oder die der Director der Anstalt zur Berathung dahin zu bringen für gut, oder durch Eingaben einzelner Lehrer sich veranlaßt findet.

8) In den Lehrerconferenzen werden die Erlasse der Oberstudienbehörde bekannt gemacht, wenn es nicht vorher schon durch Umlauf geschehen ist.

Das Protokoll der Verhandlungen führt der jüngste der Lehrer; es wird aber von sämmtlichen Lehrern unterzeichnet.

Von dem Lehrplan eigenmächtig in irgend einer Sache abzugehen, ist keine Lehrerconferenz befugt, sondern hierzu muß in jedem Falle die Genehmigung bei der Oberstudienbehörde nachgesucht werden. Am Schlusse jedes Schuljahres soll aber die Lehrerconferenz über alle dem Director oder einzelnen Lehrern wünschenswerth erscheinenden Verbesserungen, und über die im §. 52 be zeichneten Eingaben der Lehrer in Berathung treten, und das Resultat derselben der Oberstudienbehörde vorlegen.

Beschlüsse der Lehrerconferenz, welchen der Director seine Zustimmung nicht ertheilt, bleiben, auf sein ausdrückliches Verlangen, so lange unvollzogen, bis die Oberstudienbehörde hierüber entschieden hat.

§. 55.

Der Director steht in regelmäßiger unmittelbarer Geschäftscorrespondenz mit der Oberstudienbehörde. Er hat auf die Beobachtung und den Vollzug aller die Schule berührenden Gesetze, Verordnungen und höhern Verfügungen zu wachen, und die ganze Anstalt nach allen Beziehungen zu beaufsichtigen.

Er führt eine Hauptliste über sämmtliche Schüler, mit den auf ihren Fleiß und ihre Sittlichkeit bezüglichen Noten. Er bes sucht von Zeit zu Zeit die einzelnen Classen, um sichere Ueberzeugung über den Fortgang des Unterrichts zu gewinnen, und wirkt mit aller Treue für die Beförderung eines guten Unterrichts.

Er beobachtet den sittlichen Zustand der Anstalt, und widmet der Erhaltung und Beförderung derselben die gewissenhafteste Sorgfalt. In Ansehung bedeutender Vergehungen der Schüler läßt er sich über die Zurechtweisung und Bestrafung derselben S dung ertheilen, und diejenigen Strafen, welche nach der ordnung über die Befugniß der einzelnen Lehrer gehen Bestätigung in Vorschlag bringen, worauf er entwede scheidet, oder wenn es sich um längern Carcerar

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Ausweisung eines Schülers handelt, nach erfolgter Berathung in der Lehrerconferenz die Genehmigung der Oberstudienbehörde nachsucht.

Er bewilligt den Lehrern Urlaubsgesuche, welche nicht über drei Tage gehen, oder auch auf långere Zeit, wenn die Sache so dringend ist, daß die Einholung höherer Genehmigung nicht mehr möglich ist. Sonst muß vorerst an die Oberstudienbehörde berichtet werden.

Er sorgt, daß, während des Urlaubs eines Lehrers, dessen Stunden gehörig versehen werden, wobei der Lehrer selbst ihm vorerst Vorschläge zu machen hat. Er ordnet bei plötzlichen Vers hinderungen, namentlich bei Krankheits- und Todesfällen der Lehrer, die Interimsversehung provisorisch an, und holt die Bez stätigung bei der Oberstudienbehörde ein.

Er sendet die Berichte, welche die Lehrer der Oberstudienbehörde zu übergeben wünschen, ein, und begleitet sie mit seinem eigenen Gutachten, wobei sich übrigens von selbst versteht, daß Berichte, welche Beschwerden oder Klagen gegen den Director enthalten, von dem Lehrer unmittelbar an die Oberstudienbehörde eingesandt werden dürfen.

Der Director beruft die ordentlichen und außerordentlichen Lehrerconferenzen zusammen, bringt die dahin gehörigen Gegenstånde zur Berathung, und erstattet über das Resultat an die Oberstudienbehörde Bericht.

Er hålt im Frühjahr eine Prüfung in allen Classen der Anstalt. Er sendet im Spåtjahre nach genommener Rücksprache mit der Conferenz die Vorschläge in Betreff der öffentlichen Prüfung und der Promotionen, so wie der Entlassung der Abiturienten zur Universität, an die Oberstudienbehörde.

Er ist während der ganzen öffentlichen Prüfung gegenwärtig, macht die Promotionen und Entlassungen zum Bezuge der Universitåt bekannt, und stellt, unter ausdrücklicher Bezugnahme auf den Beschluß der Oberstudienbehörde, die Entlassungsscheine aus.

S. 56.

Die Ephoren haben den Beruf, über die Aufrechthaltung der gesetzlichen Ordnung einer Anstalt, und besonders über den sitt

lichen Zustand derselben, mitzuwachen und mit ihrer Kraft und ihrem Ansehen dafür mitzuwirken. Sie theilen ihre Beobachtungen und Vorschläge den Directionen und Lehrerconferenzen mit, und find daher zu leßteren einzuladen.

Sie wohnen auch den öffentlichen Prüfungen bei.

Ohne die Verbindlichkeit an der Verwaltung der Fonds der Anstalt Antheil zu nehmen, follen sie gleichwohl sich die Ausmittelung aller ökonomischen Hülfsquellen für die Anstalt besonders angelegen seyn lassen.

S. 57.

Besondere Instructionen sollen nach Ablauf eines Jahres, und nach Vernehmung der Directoren und Lehrerconferenzen, von der Oberstudienbehörde erlassen werden, und die Pflichten und Befugnisse der Lehrer, Classenvorstånde und der Lehrerconferenz, die Functionen des Directors und der Ephoren nåher bestimmen.

Beilage I.
Studienplan

für die

Gymnasien des Großherzogthums Hessen.

A. Allgemeine Bestimmungen.

6. 1.

Die Idee, welche der Erziehung und dem Unterricht auf Gymnasien vorschwebt, ist eine solche allseitige harmonische Entwicklung der Gesammtanlagen des Menschen, bei welcher nicht nur eine allgemeine wissenschaftliche Vorbildung, die dem erfolgreichen Studium eines besonderen Faches nothwendig vorausgeht, sondern auch die möglichst hohe Veredlung des Ge= fühls und die bestimmteste Entschiedenheit der Gesinnung für das Gute gewonnen wird.

Der Unterricht darf sich daher nie an eine einzelne Kraft halten, sondern soll den ganzen Menschen ergreifen und sein gesammtes Wesen zur Blüthe voller Humanitåt entfalten. Am wenigsten soll ein einseitiges Raffinement des Verstandes auf Kosten des Gemüths und Charakters erstrebt, vielmehr das sittliche und religiöse Moment ganz vorzüglich berücksichtigt werden.

Das Princip, nach welchem im Besonderen die Bedeutung der Lehrgegenstände zu bemessen ist, kann demnach weder ein einseitig humanistisches noch ein einseitig realistisches seyn. Jede Wissenschaft und Sprache erhält vielmehr ihre Bedeutung für den Gymnasialunterricht durch die Stellung zugewiesen, welche fie

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