Dramatik des Unbewussten: zur Autonomieproblematik von Ich und Nation in Eichendorffs "historischen" Dramen

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Niemeyer, 1998 - Literary Criticism - 224 pages

Eichendorffs Dramen und Dramenfragmente folgen unter der historischen Maskerade einem hochgradig tiefenpsychologischen Interesse ihres Autors. Dem jungen Eichendorff gelingen dabei einige Fragmente (z.B. "Konradin") mit stupenden Einsichten in die Labilität des Subjekts, das zwischen eigener Begehrlichkeit und den Zwängen der 'symbolischen Ordnung', zwischen erotischer Auflösung und imaginärer Erstarrung vergeblich eine Identität sucht. Der Verfasser der vorliegenden Studie interpretiert diese Texte mit der ihnen angemessenen Methode moderner Psychoanalyse, ohne dabei den Kontext von politischen, sozialen und literargeschichtlichen Zusammenhängen zu vernachlässigen. So ist die Attraktion des Arminius-Stoffes im 19. Jahrhundert, ein hochneurotisches Phänomen, ohne die Anamnese dieses deutschen Komplexes nicht verstehbar. Eichendorffs Drama "Ezelin von Romano" ist ein Übergangstext, dessen kritisches Interesse den Autonomieprätentionen des neuzeitlichen Menschen gilt und diese radikal destruiert, der jedoch auch eine neue, religiöse Sinngebung anbietet - eine Tendenz, die sich dann in "Der letzte Held von Marienburg" in Richtung einer patriotischen und konfessionellen Ideologisierung verengt. Die Fragmente der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts, unter dem Einfluß der antifranzösischen Stimmung während der Rheinkrise entstanden, zeigen Eichendorff auf dem Tiefpunkt seiner schöpferischen Imagination. Hier verstummt das Eichendorffsche Idiom in der "parole vide" (Lacan). Ein besonderes Untersuchungsinteresse der Studie liegt auf dem Nachweis der Übertragbarkeit unbewußter Motivierungen im Subjekt auf Gemeinschaften mit ihren kulturellen Imagines.

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Contents

Einführungskapitel
1
Zur Tragödie
15
Konradin
45
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